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Astronomie

Forscher lösen Wasser-Rätsel auf dem Mond

Sandig, staubig, knochentrocken - so stellte man sich den Mond lange vor. Jetzt sagen Forscher: Der Erdtrabant verliert jedes Jahr tonnenweise Wasser. Die Ursache verblüfft.

StockTrek Images/ imago images

Mondboden: Wie viel Wasser verbirgt sich in der Tiefe?

Montag, 15.04.2019   17:07 Uhr

Der Mondboden ist offenbar doch nicht so knochentrocken wie angenommen.

Das berichten Forscher der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience". Demnach setzen kleine Meteoriteneinschläge regelmäßig Wasser aus den tieferen Bodenschichten des Erdtrabanten frei. Das Wasser stamme vermutlich aus der Entstehungszeit des Mondes, so die Experten.

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler Daten der Sonde "Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer" (LADEE). Sie hatte den Mond von Oktober 2013 bis April 2014 umkreist. Ziel der Nasa-Mission war es unter anderem, die Atmosphäre des Mondes und die Auswirkungen von Staubpartikel-Einschlägen zu untersuchen.

Bei der Auswertung der Daten stießen die Forscher wiederholt auf eine anomal hohe Wasserkonzentration in der Mondatmosphäre. In 29 Fällen trat diese Abweichung auf, kurz nachdem der Erdtrabant auf bekannte Meteoritenströme getroffen war. Außerdem schreiben die Wissenschaftler vier weitere Anomalien bislang völlig unbekannten Meteoritenströmen zu.

Allerdings fiel den Nasa-Experten schnell auf, dass offenbar nur bestimmte Meteoriten im Mond enthaltenes Wasser freisetzen. Erhöht war die Wasserkonzentration in der Mond-Exosphäre insbesondere dann, wenn Gesteinsbrocken mit einer Masse zwischen 0,15 Gramm und 100 Kilogramm sowie mit einer Geschwindigkeit von über 30 Kilometern in der Sekunde eingeschlagen waren. Daraus leiten die Forscher ab, dass die oberen acht Zentimeter des Mondbodens vollkommen trocken sind. Erst ab einer Masse von 0,15 Gramm können einschlagende Meteoriten tiefere Schichten freilegen.

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Berechnungen ergaben, dass der Wassergehalt des Mondbodens in mehr als acht Zentimetern Tiefe bei bis zu 0,05 Prozent liegt. Die Forscher schließen daraus, dass der Mondboden pro Jahr bis zu 200 Tonnen Wasser durch Meteoriteneinschläge verliert. Um diese Verlustrate über geologische Zeiträume aufrecht zu erhalten, müsse das Wasser entweder von Beginn an relativ gleichmäßig im Mondboden vorhanden gewesen oder zumindest sehr früh auf den noch jungen Erdtrabanten gelangt sein.

Wasserspuren waren bereits vor zehn Jahren auf dem Mond entdeckt worden. Ihr Ursprung ist bislang aber nicht eindeutig geklärt. Unter anderem hatten die Raumsonden "Cassini", "Deep Impact", "Lunar Prospector" und "Chandrayaan-1" Hinweise auf eine Wasserfreisetzung geliefert. Mit der Sonde "Ladee" sei es nun gelungen, diesen Prozess zu beobachten, schreiben die Forscher. Zuvor waren andere Untersuchungen bereits auf größere Wassereis-Ablagerungen in ewig finsteren Kratern an den Mondpolen gestoßen.

Im Video: Die Kraft des Trabanten

Foto: BBC

jki/dpa

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