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Wissenschaft

Premiere in Kourou

Europäische Rakete "Vega" ins All gestartet

Die neue europäische "Vega"-Rakete ist erfolgreich zu ihrem Jungfernflug gestartet. Der für rund 790 Millionen Euro entwickelte Lastenträger hob am Montagmorgen problemlos vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. An Bord sind neun Satelliten.

ESA

Abgehoben: Rakete "Vega" verließ erfolgreich den Weltraumbahnhof Kourou

Montag, 13.02.2012   12:01 Uhr

Paris/Kourou - Europas Raketenfamilie hat Nachwuchs bekommen. Nach dem russischen Stiefkind "Sojus" im vergangenen Oktober ist an diesem Montag die kleine "Vega" zu ihrem Jungfernflug vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana gestartet. Die 30 Meter hohe und 138 Tonnen schwere Trägerrakete wurde komplett in Europa entwickelt. Bei der ersten Mission wird sie neun kleine Satelliten im Gepäck haben.

Der jüngste Träger kann je nach Art und Höhe der gewünschten Umlaufbahn Lasten mit einer Masse zwischen 300 und 2500 Kilogramm ins All bringen. Damit ist sie besonders für kleine Wissenschafts- und Erdbeobachtungssatelliten geeignet. Der bisher letzte Start einer völlig neu entwickelten europäischen Rakete war der der ersten "Ariane 5". Sie hob am 4. Juni 1996 in Kourou ab - kam aber kurz nach dem Start vom Kurs ab und musste über dem Meer gesprengt werden. Mittlerweile ist das "Ariane"-Programm allerdings eine Erfolgsgeschichte. 60 Raketen starteten bereits von Kourou aus ins All.

Die Aufregung vor der Premiere war groß. Rund neun Jahre lang haben Ingenieure an der Entwicklung der "Vega" gearbeitet. Die Programmkosten werden mit 710 Millionen Euro angegeben. Nicht eingeschlossen sind Investitionen der Industrie in Höhe von weiteren 76 Millionen Euro. Dennoch soll die "Vega" auf dem mittlerweile umkämpften Markt vor allem mit ihrem Preis punkten. "Viel Rakete für wenig Geld", lautet das Motto.

Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, haben sich die Raketenbauer an bereits vorhandenen Technologien orientiert. Bei der Entwicklung des Feststoff-Antriebs standen beispielsweise die riesigen Booster der schwersten und leistungsfähigsten europäischen Rakete "Ariane 5" Pate.

Deutsche am "Vega"-Projekt nicht beteiligt

An Bord der Rakete sind neun kleine Forschungssatelliten aus Europa. Der größte heißt "Lares" und soll eine bessere Erforschung der "mitwirbelnden Raumzeit" ermöglichen. Der sogenannte Lense-Thirring-Effekt ergibt sich aus Albert Einsteins Relativitätstheorie.

Als eine der wenigen großen europäischen Raumfahrtnationen ist die Bundesrepublik bislang nicht an dem "Vega"-Programm beteiligt. "Der Kompetenzschwerpunkt der deutschen Industrie liegt auf Flüssigkeitsantrieben", erklärt Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die "Vega" werde aber hauptsächlich mit Feststoff angetrieben. In Zukunft sei eine Beteiligung aber nicht ausgeschlossen. Die Oberstufe, die derzeit aus russisch-ukrainischer Produktion stammt, könnte später einmal durch ein deutsches Flüssigkeitstriebwerk ersetzt werden.

Die europäische Raketen-Betreibergesellschaft Arianespace hat für dieses Jahr insgesamt elf Starts in Kourou angesetzt. Neben sieben Schwerlastraketen vom Typ "Ariane 5" und der ersten "Vega" sollen drei der in Russland eingekauften "Sojus"-Raketen abheben. Sie gehören seit dem vergangenen Jahr offiziell zur europäischen Raketenfamilie.

hda/dpa/dapd

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