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Wissenschaft

Himmelsspektakel

Deutscher Amateurfunker fotografiert Sonnenfinsternis - vom Mond aus

Die Sonnenfinsternis Anfang Juli war in Deutschland nicht zu sehen. Einem Funker aus Schleswig-Holstein gelang trotzdem eine spektakuläre Aufnahme - mit Hilfe eines chinesischen Satelliten.

Harbin Institute of Techology/ CAMRAS/ DK5LA/ DPA

Reinhard Kühn lud die Aufnahme von einem chinesischen Satelliten runter

Freitag, 16.08.2019   18:13 Uhr

Reinhard Kühn lebt im schleswig-holsteinischen Sörup, er ist 70 Jahre alt, arbeitete als Banker, und in seinem Garten steht eine riesige Antenne - mehr als 13 Meter hoch, zehn Meter breit, selbst gebaut. Wozu er die braucht? Kühn ist leidenschaftlicher Amateurfunker.

Mit seiner Anlage ist ihm ein besonderer Clou geglückt: Er hat die Sonnenfinsternis Anfang Juli vom Mond aus fotografiert, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Das Foto zeigt im Vordergrund die von Kratern zerklüftete Rückseite des Mondes und im Hintergrund die Erde mit einem schwarzen Fleck links oben - die Sonnenfinsternis über dem Pazifik bei Chile.

Fotostrecke

Sonnenfinsternis: Zwei Minuten Dunkelheit mitten am Tag

Wie Kühn die spektakuläre Aufnahme gelungen ist? Er ist technisch so gut ausgestattet, dass er offiziell mit China bei Raumfahrtprogrammen zusammenarbeitet. "Die haben festgestellt, dass sie jemanden brauchen, wenn in China der Mond nicht mehr sichtbar ist", sagt Kühn.

Das Problem: Weil sich die Erde dreht, verliert China immer wieder zeitweise den Funkkontakt zu Satelliten. Funkstationen in anderen Teilen der Erde wie die von Kühn übernehmen dann kurzzeitig die Steuerung. Kühn hatte in dieser Funktion auch bei der Landung der chinesischen Sonde "Chang'e 4" auf der Rückseite des Mondes geholfen.

Kühn bekam aus China regelmäßig digitale Datenbanken mit Befehlen, über die er den chinesischen Satelliten "Longjiang 2" steuern konnte. Der Satellit hatte die Sonnenfinsternis am 2. Juli aufgenommen, den Befehl zum Download des Bildes hatte Amateurfunker Kühn den Kommandos der Chinesen beigefügt.

Satellit inzwischen zerschellt

Das Foto wurde dann über das Dwingeloo-Radioteleskop in den Niederlanden und von chinesischen Stationen empfangen. Tammo Jan Dijkema von der Camras-Stiftung, die das Dwingeloo-Radioteleskop betreibt, bestätigte den Download. Er habe das Teleskop bedient, als das Foto vom Satelliten heruntergeladen wurde. Die Rechte an dem Bild hat sich Kühn verdient - mit seinem Rufzeichen DK5LA steht er darunter.

Inzwischen macht der Satellit "Longjiang 2" keine Bilder mehr. Er ist geplant auf der Oberfläche des Mondes zerschellt, um Weltraumschrott zu vermeiden.

koe/dpa

insgesamt 42 Beiträge
DietrichHorstmann 16.08.2019
1. Wissenschaft kennt keine Grenzen
wenn das doch auch für die Gesellschaften und die politiken der Länder und Weltmächte gelten würde. Beim Klima und den Atomwaffen wäre das für das Überleben cer Menschheit befreiend.
wenn das doch auch für die Gesellschaften und die politiken der Länder und Weltmächte gelten würde. Beim Klima und den Atomwaffen wäre das für das Überleben cer Menschheit befreiend.
stelzerdd 16.08.2019
2. 70 Jahre?
Der Funker aus Schleswig-Holstein ist doch älter als das Internet, für den ist das alles "Neuland" und daher kann er naturgemäß keine Ahnung von allem haben, was irgendwie digital ist. Gelle?
Der Funker aus Schleswig-Holstein ist doch älter als das Internet, für den ist das alles "Neuland" und daher kann er naturgemäß keine Ahnung von allem haben, was irgendwie digital ist. Gelle?
permissiveactionlink 16.08.2019
3. #2, stelzerdd
Funkamateure (und bitte nicht Amateurfunker oder Hobbyfunker) kennen sich mit digitalen Betriebsarten schon seit gut 100 Jahren aus. Schon in der Weimarer Republik gab es in Deutschland Sendelizenzen für Funkamateure mit [...]
Funkamateure (und bitte nicht Amateurfunker oder Hobbyfunker) kennen sich mit digitalen Betriebsarten schon seit gut 100 Jahren aus. Schon in der Weimarer Republik gab es in Deutschland Sendelizenzen für Funkamateure mit Rufzeichenzuteilung. Was viele vergessen oder gar nicht wissen : Die Morsetelegrafie ist die erste digitale Modulationstechnik mit nur zwei möglichen Zuständen : Sender an oder Sender aus. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde eine weitere digitale Betriebsart eingeführt, allerdings zunächst nicht bei Funkamateuren : Funkfernschreiben, bei dem es ebenfalls nur zwei Zustände gibt, mark und space. Der Sender ist dabei ständig eingeschaltet, und wechselt im digitalen Rythmus zwischen zwei Sendefrequenzen hin und her. Funkamateure waren zudem Pioniere beim Funkbetrieb über den Mond als passiven Reflektor ("EME"), beim Funkbetrieb über die von Meteoriten erzeugten Ionisationsbahnen ("Meteor Scatter"), Funkkontakte über Nordlichter ("Aurora"), oder Funkkontakte über Relais in hochfliegenden Ballons ("ARTOB"). Bei transkontinentalen Funkkontakten fanden sie darüberhinaus den Wert der Kurzwellen, die an den Ionosphärischen Schichten F1, F2, E und D "reflektiert" werden. Ein Frequenzbereich, den Marconi und andere zunächst für unbrauchbar hielten. Funkamateure waren schon Digitalprofis, als die aufgeblasenen Internetkids von heute noch nicht mal in Planung waren !
don_pasquale 16.08.2019
4. Hobbyfunker?
Meine Güte, ist der Begriff Funkamateur zu kompex für die Leserschaft? Der Mann hat immerhin eine durchaus anspruchsvolle Prüfung zur Erlangung seiner Lizenz abgelegt. Aber vielleicht wars auch nur ein Hibbyschreiber der die [...]
Meine Güte, ist der Begriff Funkamateur zu kompex für die Leserschaft? Der Mann hat immerhin eine durchaus anspruchsvolle Prüfung zur Erlangung seiner Lizenz abgelegt. Aber vielleicht wars auch nur ein Hibbyschreiber der die dpa Meldung mit ein wenig Prosa anfütterte.
r.pfeil 16.08.2019
5.
Damit ist wieder mal belegt, dass Amateurfunk nicht nur etwas für schrullige Opas ist. Gelegentlich, und immer wieder, leisten Funkamateure wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung. Und das ganz ohne Eigennutz. Davor [...]
Damit ist wieder mal belegt, dass Amateurfunk nicht nur etwas für schrullige Opas ist. Gelegentlich, und immer wieder, leisten Funkamateure wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung. Und das ganz ohne Eigennutz. Davor ziehe ich anerkennend meinen Hut.

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