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Wissenschaft

SpaceShipTwo-Absturz

Pilot wusste nichts von frühem Bremsvorgang

Was war der Grund für den Absturz des SpaceShipTwo? Ein zu früh aktivierter Bremsmechanismus gilt als möglicher Auslöser. Nun hat sich erstmals der Pilot des Raumflugzeugs geäußert, der das Unglück schwer verletzt überlebte.

AFP
Donnerstag, 13.11.2014   09:04 Uhr

Los Angeles - Schon wenige Stunden nach dem tragischen Absturz der SpaceShipTwo wussten die Ermittler: Bei dem Start des privaten Passagierraumflugzeugs über der Mojave-Wüste in Kalifornien war eine Bremsvorrichtung vorzeitig gelöst worden, das berichtete die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB. Ob dies zum Absturz geführt habe, ist weiter unklar.

Die Ermittler der NTSB vermuten, dass der Co-Pilot Michael Alsbury den Bremsvorgang eingeleitet hat. Nun stellt sich heraus: Dem Piloten des Unglücksschiffs, Peter Siebold, war dieser Schritt nicht bekannt. Das erklärte er gegenüber der NTSB. Es sei eigentlich Vorschrift, diesen Schritt zu melden, bestätigte hierzu ein Mitarbeiter der Behörde.

Kurz nach dem offenbar verfrüht eingeleiteten Bremsvorgang war das SpaceShipTwo auseinandergebrochen und abgestürzt. Der 39 Jahre alte Co-Pilot kam ums Leben.

Pilot Seiboldt sei aus dem Flugzeug herausgeschleudert worden, berichtet der 43-Jährige. Er habe sich im freien Fall gen Erde befunden, sein Fallschirm habe sich aber ordnungsgemäß geöffnet. Die genaue Höhe, in der sein Fall begann, ist noch nicht bekannt. Vermutlich sei dies aber bei zehn Meilen (16 Kilometern) erfolgt, berichtet die NTSB.

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Katastrophe nahm ihren Lauf

Eine Überwachungskamera im Cockpit der SpaceShipTwo zeige, wie der Co-Pilot die Bremsvorrichtung entriegelt, und zwar bevor das Flugzeug die vorgeschriebene Geschwindigkeit von Mach 1 erreicht habe, sagt Christopher Hart, Vorsitzender der NTSB. Dies entspricht der Schallgeschwindigkeit von 1230 km/h. Dieser Schritt sollte eigentlich erst ab einer Geschwindigkeit von Mach 1,4 passieren.

Das SpaceShipTwo verfügt über ein drehbares Leitwerk. Nach dem Aufsteigen in mehr als hundert Kilometer Höhe fällt das Raumschiff zunächst ungebremst zur Erde zurück. Um einen kontrollierten Flug zu ermöglichen, ändert der Pilot während das Sinkflugs die Stellung des Leitwerks, wodurch das SpaceShipTwo abgebremst wird. Sobald das Raumschiff bis auf etwa 16 Kilometer abgesunken ist, wird das Leitwerk wieder um 90 Grad gedreht und die Landung eingeleitet.

Auch nach dem zu frühen Aktivieren des Bremsmechanismus hätten sich die Federn eigentlich nicht bewegen können, sagte Hart. Dazu hätte ein zweiter Mechanismus aktiviert werden müssen. Was nicht passierte. Doch das Manöver sei wohl nicht mehr zu stoppen gewesen, zwei oder drei Sekunden später begann SpaceShipTwo auseinanderzubrechen, erklärt Hart. Diesen Moment wolle man nun genauer untersuchen.

Anfangs war spekuliert worden, es habe eine Explosion während des Testflugs gegeben. Unfallexperte Hart sagte jedoch, man habe an den am Boden gefundenen Tanks keine Hinweise darauf entdeckt. Es gebe weder undichte Stellen noch Brandspuren.

Milliardär Richard Branson , dessen Unternehmen Virgin Galactic die private Raumfahrt vorantreibt, hat eine lückenlose Aufklärung des Unfalls versprochen. Zugleich sei er entschlossen, aus den Fehlern der Katastrophe zu lernen, um den Traum vom Weltraumtourismus weiter voranzutreiben.

Bereits gekaufte Tickets für die Passagierflüge ins All könnten jederzeit erstattet werden, versicherte Branson. Rund 700 Menschen hatten bereits Flüge für je 250.000 Dollar (rund 198.000 Euro) gebucht, die ersten Flüge sollten kommendes Jahr starten. Virgin Galactic habe das Geld noch nicht verwendet, sagte Branson.

nik/AP

insgesamt 18 Beiträge
lala9999 13.11.2014
1. Nautische Meilen
In der Luftfahrt rechnet man mit nautischen Meilen. Die Unglückshöhe betrug demnach ca. 10 nm oder 18,52km.
In der Luftfahrt rechnet man mit nautischen Meilen. Die Unglückshöhe betrug demnach ca. 10 nm oder 18,52km.
mietiskelijä 13.11.2014
2. Technische Frage/Bemerkung zum Bremsvorgang
Moin! Ein Sache ist mir als Luftfahrtkenner immer noch nicht klar - wieso wird immer noch so über den (zu früh aktivierten) Bremsmechanismus geschrieben, so als ob dieser im Steigflug benützt werden sollte? "...und [...]
Moin! Ein Sache ist mir als Luftfahrtkenner immer noch nicht klar - wieso wird immer noch so über den (zu früh aktivierten) Bremsmechanismus geschrieben, so als ob dieser im Steigflug benützt werden sollte? "...und zwar bevor das Flugzeug die vorgeschriebene Geschwindigkeit von Mach 1 erreicht habe, [...]. Dieser Schritt sollte eigentlich erst ab einer Geschwindigkeit von Mach 1,4 passieren." Dieser Bremsmechanismus (hochklappbares Leitwerk) darf und soll auf keinen Fall im Steigflug aktiviert werden, sondern ausschließlich beim Abstieg bzw. Wiedereintritt in dichtere Luftschichten. Es ist unsinnig, in diesem Fall über Geschwindigkeitsgrenzen beim Wiedereintritt zu schreiben, da die Fehlfunktion/-bedienung offensichtlich direkt nach dem Zünden der Antriebe geschah, also zu Beginn der Steigflugphase. In dieser dürfen die Leitwerke auf keinen Fall in Bremsstellung gehen, ganz gleich bei welcher Geschwindigkeit.
ulrich.macdonald 13.11.2014
3. Nautische Meilen?
Irrtum, die Flughöhe wird in Fuss gemessen, die Entfernung in Nautischen Meilen. Ein kleiner Definitionsunterschied. :-)
Irrtum, die Flughöhe wird in Fuss gemessen, die Entfernung in Nautischen Meilen. Ein kleiner Definitionsunterschied. :-)
flyhi172 13.11.2014
4. Schwachsinn
bereits im letzten Artikel stand dass der Co-Pilot den Bremsmechanismus "zu frueh" bei Mach 1 statt bei Mach 1,4 aktiviert haette. Der Autor dieses Artikels hat anscheinen irgendwo falsch [...]
bereits im letzten Artikel stand dass der Co-Pilot den Bremsmechanismus "zu frueh" bei Mach 1 statt bei Mach 1,4 aktiviert haette. Der Autor dieses Artikels hat anscheinen irgendwo falsch abgeschrieben... offenbar werden die Kommentare auch von niemandem gelesen.
spon-facebook-10000840729 13.11.2014
5. Was für ein Gestammel?!
Das hat doch der Schreiberling selber nicht verstanden... Und wenn man nix weiss, soll man halt einfach nix sagen. Ohne deutliche Zusatzrecherche kann man dieser Darstlellung der Ursachenforschung jedenfalls keinen Sinn [...]
Das hat doch der Schreiberling selber nicht verstanden... Und wenn man nix weiss, soll man halt einfach nix sagen. Ohne deutliche Zusatzrecherche kann man dieser Darstlellung der Ursachenforschung jedenfalls keinen Sinn entnehmen.

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