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Wissenschaft

Staubtrockener Mars

Vom (Sonnen-)Winde verweht

Die Hülle, die den Mars vor der zerstörerischen Sonne schützen soll, ist offensichtlich ziemlich löchrig. Fast minütlich ändert sich ihre Zusammensetzung, so dass immer wieder Sonnenteilchen Wasser aus der Atmosphäre entführen können. Deshalb ist der Rote Planet heute so trocken.

Sonntag, 26.09.2004   10:05 Uhr

Unentwegt schleudert die Sonne winzige geladene Teilchen ins All, die mit hoher Geschwindigkeit auf die Planeten treffen. Der Erde kann dieser so genannte Sonnenwind kaum etwas anhaben: Das irdische Magnetfeld wirkt wie ein gigantischer Schutzschild, der das Bombardement aus dem All verpuffen lässt. Kommen doch einmal ein paar Partikel durch, entstehen farbenfrohe Polarlichter, sehr selten wird auch die Satellitenkommunikation gestört.

Ganz anders auf dem Mars, wie ein internationales Forscherteam nun im Fachmagazin "Science" berichtet. Dort kann der Sonnenwind in die Atmosphäre eindringen und Wassermoleküle mitreißen. Aufnahmen der europäischen Sonde "Mars Express" haben die Forscher auf die Spuren dieses Phänomens gebracht.

Einst warm und feucht, heute kalt und trocken

In der Vergangenheit hatten Astronomen eine ganze Reihe von Theorien aufgestellt, die erklären sollten, wie sich der Mars fast schlagartig von einem warmen und feuchten Planten in eine staubtrockene und mitunter extrem kalte Wüste verwandeln konnte. So recht überzeugen konnte keine.

Doch dank "Mars Express" können Rickard Lundin vom schwedischen Institut für Weltraumphysik in Kiruna und seine Kollegen aus Europa, Japan und den USA nun genau angeben, welch drastische Folgen der Sonnenwind hat.

Demnach ändern sich die Form und die Zusammensetzung der Mars-Ionosphäre, der Schicht direkt über der Atmosphäre, mitunter von Minute zu Minute. Ihre Widerstandsfähigkeit ist dabei nicht immer groß genug, um sich den anstürmenden Sonnenteilchen entgegen zu stemmen. Dadurch dringt der Sonnenwind in die obere Atmosphäre des Roten Planeten ein, wo er auf Wasser-, Sauerstoff- und Kohlendioxid-Moleküle stößt. Die Teilchen werden mitgerissen und ins Weltall befördert.

Besonders der Verlust von Wasserstoff und Sauerstoff ist in den Augen der Forscher ein klarer Hinweis auf die fortschreitende Entwässerung des Mars. Nun sollen genauere Analysen der Daten zeigen, mit welchem Tempo die leicht flüchtigen Moleküle aus der Mars-Umgebung entführt werden. Letztlich könnten diese Erkenntnisse erklären, so die Hoffnung der Forscher, wie sich die Atmosphäre des Roten Planeten in letzter Zeit entwickelt hat.

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