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Wissenschaft

"Vega"-Fehlstart

Europäische Rakete in Französisch-Guayana verunglückt

Zunächst lief alles nach Plan, doch dann gab es ein Problem: Statt einen Erdbeobachtungssatelliten ins All zu transportieren, stürzte eine "Vega"-Rakete in Südamerika ins Meer.

ESA

"Vega"-Rakete am Weltraumbahnhof Kourou (Archivbild)

Donnerstag, 11.07.2019   10:04 Uhr

Der Start einer europäischen "Vega"-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ist misslungen. Etwa zwei Minuten nach der Zündung der Triebwerke am frühen Donnerstagmorgen habe es ein schwerwiegendes Problem gegeben, berichtet der Raketenbetreiber Arianespace. Die Rakete stürzte Berichten zufolge ins Meer.

"Im Namen von Arianespace möchte ich mich bei unseren Kunden für den Verlust ihrer Fracht entschuldigen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Es ist der erste Fehlstart einer "Vega"-Rakete überhaupt. Die Gründe sind noch unklar.

Die "Vega"-Rakete hätte im Auftrag der Vereinigten Arabischen Emirate den Erdbeobachtungssatelliten "FalconEye1" ins All bringen sollen. Er sollte hochauflösende Bilder aufnehmen und sie zurück zur Erde übertragen.

Der Start der Trägerrakete war zuvor zweimal wegen ungünstiger Wetterbedingungen und starker Höhenwinde über Kourou in Südamerika verschoben worden. Die europäische Weltraumbehörde Esa betreibt dort, nördlich von Brasilien, ihren Weltraumbahnhof.

"Die Amerikaner wollen Europa aus dem Weltraum kicken"

Die "Vega" ist mit 30 Meter Höhe der kleinste Lastenträger im Arsenal des europäischen Raketenbetreibers Arianespace. Sie ist für kleine Wissenschafts- und Erdbeobachtungssatelliten geeignet. Ihren erfolgreichen Erstflug absolvierte sie am 13. Februar 2012. Dem Betreiber zufolge startet die Rakete, die für rund 790 Millionen Euro entwickelt wurde, pro Jahr drei- bis viermal in den Weltraum. Das Unternehmen nutzt außerdem die "Ariane 5" und die "Sojus" aus russischer Produktion.

Satellit sollte Grenze überwachen

Arianespace-Chef Stéphane Israël hatte kurz nach dem Start auf Twitter noch bestätigt, dass die "Vega"-Rakete ins All unterwegs sei. Über das anschließende Fiasko informierte Arianespace dann aber zunächst weder auf seiner Website noch auf den zuvor bespielten Social-Media-Kanälen. Es war der sechste Flug des Raketenbetreibers im Jahr 2019.

Der Satellit "FalconEye1" wurde vom Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus und dem Luft- und Raumfahrthersteller Thales Alenia Space entwickelt. Die Bilder von "FalconEye1" sollten zum Beispiel genutzt werden, um Landschaften zu kartieren, Städte zu planen und die Grenzen und Küsten der Vereinigten Arabischen Emirate zu überwachen. Im Laufe des Jahres sollte eigentlich auch der Satellit "FalconEye2" in den Weltraum gebracht werden.

Arianespace gehört zur ArianeGroup, die wiederum ein Gemeinschaftsunternehmen des europäischen Luftfahrtkonzerns Airbus und des französischen Triebwerkherstellers Safran ist. An Arianespace sind auch Unternehmen aus vielen anderen europäischen Ländern beteiligt.

joe/dpa

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