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Wissenschaft

Satellitenbild der Woche

Äcker verdrängen Regenwald

Berggorillas, Okapis und Giraffen leben im Virunga-Nationalpark - die Region steht unter Schutz. Satellitenbilder zeigen, dass die natürliche Landschaft dramatisch kleiner wird.

ESA/ Copernicus Sentinel

Virunga-Vulkanlandschaft: Die dunkelgrünen und braunen Flächen zeigen natürliche Vegetation, die hellgrünen, gelben und orangefarbenen hingegen menschengemachte Landschaften wie Ackerflächen

Samstag, 12.11.2016   09:45 Uhr

Von der Savanne bis zum Regenwald, die Virunga-Gebirgskette gehört zu den vielfältigsten Landschaften Afrikas. Berggorillas leben hier ebenso wie Okapis, Nilpferde, Waldelefanten, Schimpansen Giraffen und Büffel. In dem Gebiet entstand 1925 der erste Nationalpark des Kontinents. Seit 1994 steht der Nationalpark Virunga jedoch auf der Roten Liste der gefährdeten Unesco-Welterbe.

Ein Satellitenbild der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) zeigt nun, dass die geschützten Flächen weiter schwinden und durch Ackerflächen ersetzt werden.

Ackerpflanzen statt Regenwald

Das aus mehreren Satellitenaufnahmen zusammengesetzte Bild zeigt, welche Gebiete um die Vulkane unter besonderem Schutz stehen und welche nicht. Die dunkelgrünen und braunen Flächen im linken Bildbereich bedeuten natürliche Vegetation.

Die hellgrünen, gelben und orangefarbenen Flächen beweisen dagegen, dass der Mensch massiv in die eigentlich geschützte Natur eingreift. Denn statt natürlicher Vegetation sprießen hier nun Ackerpflanzen aus dem Boden. Die grünen und gelben Quadrate bilden die Form der Ackerfluren.

Der hellgraue Bereich am unteren linken Bildrand zeigt die Stadt Goma am Ufer des Kivusees in der Demokratischen Republik Kongo. Im Jahre 2002 wurde die Stadt von einem Lavastrom aus dem etwa 14 Kilometer entfernten Nyiragongo-Vulkan im Norden zu großen Teilen zerstört.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Aufgenommen wurden die Bilder von den Radarsatelliten "Sentinel-1". Sie sind in 700 Kilometer Höhe unterwegs und umrunden die Erde binnen anderthalb Stunden. "Sentinel 1-A" ist der erste Satellit des europäischen Erdbeobachtungsprogramms "Copernicus". Er kümmert sich um Radaraufnahmen der Erde.

Nicht alle Gebiete werden geschützt

Je nach Beobachtungsmodus erfasst er Gebiete, die zwischen 80 und 400 Kilometer breit sind. Dabei kann er Objekte bis zur Größe von fünf Metern auflösen. Der Zugang zu den Daten ist kostenlos. Ein zweiter Satellit, "Sentinel 1-B", hat im April die Arbeit aufgenommen, zwei weitere sind noch in Planung.

Die Virunga-Gebirgskette erstreckt sich über das Länderdreieck zwischen der Demokratischen Republik Kongo im Westen, Uganda im Nordosten und Ruanda im Südosten. Die meisten Vulkane der Gebirgskette sind nicht mehr aktiv. Zwei der acht Vulkane spucken aber noch immer Lava und Asche. Die letzten Vulkanausbrüche ereigneten sich zwischen 2006 und 2010.

Die Gegend ist vulkanisch aktiv, weil sie zum Großteil im Großen Afrikanischen Grabenbruch liegt. Entlang des Grabenbruchs erstreckt sich die Somalische Erdplatte, die vom Kontinent wegdriftet. In Millionen Jahren wird das östliche Afrika vermutlich nicht mehr mit dem Kontinent verbunden sein, sondern eine eigene Landmasse bilden.

koe

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